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Der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofes und ehemaliges Mitglied der Evaluierungskommission im Fall Kampusch (Adamovich-Kommission) Johann Rzeszut wendete sich am 29. September 2010 mit einem 25-seitigen Schreiben an die Obfrauen und -männer aller Parlamentsclubs in Österreich. Dabei handelt es sich um eine Sachverhaltsdarstellung, die Ermittlungen gegen die fünf Staatsanwälte Werner Pleischl, Thomas Mühlbacher, Otto Schneider, Hans-Peter Kronawetter und Gerhard Jarosch auslöste.


Laut Rzeszut gab es im Fall Kampusch „fachlich plausibel nicht zu erklärende Besonderheiten des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens“.

  • Fehlende Zeugeneinvernahme: Die damals zwölfjährige Zeugin hatte in sechs verschiedenen Einvernahmen durchgängig angegeben, am Tag der Entführung von Natascha Kampusch am 2. März 1998 zwei Männer in einem weißen Transporter gesehen zu haben. Erst am 3. Dezember 2009, nach einer Gegenüberstellung mit Kampusch, hätte die Zeugin gesagt, dass sie sich geirrt haben könnte. Bis heute wurde die Zeugin nicht von einem Staatsanwalt oder einem Richter einvernommen.
  • Druck vonseiten der Staatsanwaltschaft auf die polizeiliche Ermittlungskommission: Dem Chef-Ermittler Franz Kröll, der „massive Bedenken“ bezüglich des Freitodes Priklopils hatte, sei „unmissverständlich nahe gelegt“ worden, die Ermittlungen im Entführungsfalls rasch einzustellen. Nach Kritik am Abschlussbericht des Falles, in dem seiner Ansicht nach zweifelhafte Aussagen von Natascha Kampusch fehlten, wurde er nach Angaben seines Bruders gemobbt und in den Innendienst versetzt. Kröll nahm sich später das Leben.
  • Verzögerungen bei den Ermittlungen: Laut Kommission gab es im Fall Kampusch eine „langfristige Verzögerung bzw. bis zuletzt gänzliche Unterlassung nachhaltigst indizierter wesentlicher Ermittlungsschritte.“ So seien die Ermittler bei einer „ermittlungsstrategischen“ Besprechung am 30. April 2008 (bei der auch Pleischl anwesend war) zur Auffassung gekommen, dass das (bereits eingestellte) Ermittlungsverfahren wieder aufgenommen werden sollte. Wochen später sei dem Justizministerium dennoch berichtet worden, dass man keinen fallbezogenen Ermittlungsbedarf sehe.
  • Behinderung der Evaluierungskommission: Es soll auch eine „wesentliche und langfristige Behinderung der vom Innenressort angeordneten Evaluierung sicherheitsbehördlicher Ermittlungsmaßnahmen“ gekommen sein. So wurde etwa der Adamovich-Kommission die Einsichtnahme in die Kampusch-Einvernahmeprotokolle verwehrt.
  • Mediale Verbreitung wahrheitswidriger Informationen: Im Sommer 2009 war verlautet worden, die Polizei habe in mehreren Monaten „nur eine einzige Einvernahme“ durchgeführt. Tatsächlich, so Rzeszut, seien aber vom 4. Februar bis 14. Juli 2009 insgesamt sechs Zwischenberichte an die Anklagebehörden erstattet worden. Diesen Berichten lagen 102 Befragungen und zwei Zeugeneinvernahmen zugrunde.

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